 | Wohnraum wächst |
Anonymous schreibt "In der Werbung ist die Wohnwelt der Deutschen noch ganz die Alte: Der Traum vom Einzelhaus mit Garten bestimmt das Bild. Doch wer heute ein solches Standard-Domizil auf dem Lande besitzt und verkaufen will, merkt schnell, wie eng der Markt sein kann.
Viele Ökonomen und Soziologen sehen in niedrigen Preisen und leer stehenden Wohnungen nur die Vorboten eines gravierenden Wandels: Sie sprechen von Städten, die schrumpfen. Von Stadtteilen, die abgerissen werden. Von Landstrichen, die veröden. Daneben aber auch von einem bunten Mix der Wohnformen in Hausgemeinschaften, Reihenhäusern und altengerechten Quartieren.
Diese Trends markieren keine Gegensätze. Sie haben teils gleiche Ursachen, aber andere Zeithorizonte. Schon heute am Wohnmarkt spürbar ist der Faktor Geschwindigkeit: «Die Menschen wechseln viel schneller als früher ihren Lebensstil und damit auch die Wohnform», sagt der Stadtsoziologe Hartmut Häußermann von der Humboldt-Universität in Berlin. «Wohnen wird noch mehr als bisher ein Arrangement auf Zeit», bestätigt Albrecht Göschel, Projektleiter am Deutschen Institut für Urbanistik. «Mieten, kaufen, verkaufen, zu zweit, alleine, mit Freunden, mit der Kleinfamilie oder in einer Zweckgemeinschaft - die Formen wechseln im Laufe der eigenen Biografie schnell.»
Parallel dazu stellen Experten drei demographische Prozesse ins Zentrum der Zukunftsszenarien: Die Bevölkerungszahl nimmt ab, der Anteil der alten Menschen wächst, und Deutschland wird durch die andauernde Einwanderung internationaler - auch wenn die absoluten Zahlen bis 2020 nicht mehr so hoch sind wie in den 1990er Jahren (Prognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung).
Weniger, aber ältere Menschen - das verändert auch das Wohnumfeld: In Ostdeutschland sind die ersten Folgen schon Realität. Seit der Wende haben die fünf Ost-Länder mehr als eine Million Einwohner verloren. Die Gründe: Umzug in den Westen und sinkende Geburtenraten. 1,3 Millionen Wohnungen stehen leer. In Cottbus, Hoyerswerda und andernorts rollen Abrissbagger. Wenn künftig die Alterung an Bedeutung gewinnt, werde man sich an den «Anblick von Geisterstädten gewöhnen», belebt nur durch Wochenenddomizile und Pflegeheime, schreibt die Publizistin Elisabeth Niejahr («Alt sind nur die anderen»). «In Kleinstädten dürfte es mehr Geschäfte für Prothesen als für Kinderspielzeug geben.»
Der Osten erlebt, was viele Regionen im Westen erst später trifft - aber nicht alle. «Parallel zu schrumpfenden Regionen existieren weiter prosperierende Ballungszentren», erläutert Göschel. Dort sei sogar eine neue «Metropolenlust» zu spüren, sagt der Architekt Philipp Oswalt, Kurator der Ausstellung «Schrumpfende Städte» in Berlin. Manche Zentren locken ungebremst Menschen, sie fressen sich weiter ins Umland. «Es geht nicht um das Wohnen im Hochhaus im 17. Stock, sondern im Häuschen in Eschborn. Wenn man in wenigen Minuten auf der Autobahn und kurz danach im Frankfurter Zentrum ist, fühlt man sich als Metropolenmensch.»
Selbst in Gebieten mit abnehmender Bevölkerung bleibt schneller Abriss zunächst die Ausnahme. Denn in 30 Jahren ändern sich gewöhnlich nur 10 bis 20 Prozent der Bausubstanz einer Stadt - schließlich geht es um Milliardensummen für Häuser, Straßen und Infrastruktur. Außerdem lässt es sich mit weniger Menschen durchaus auch besser leben. Großstädter finden leichter Parkplätze, Baulücken schaffen Platz für neues Grün und mehr Sonne auf dem Balkon. Niedrige Mieten erleichtern Wohnungswechsel.
«Wir haben noch nie so geräumig gewohnt wie heute», schwärmt Häussermann. Knapp 40 Quadratmeter pro Person sind es. Weil trotz des Bevölkerungsrückgangs gebaut wird, steigt der Wert weiter. «Bei mehr Raum gibt es auch mehr Platz für Experimente», sagt der Soziologe. Zum Beispiel für Wohn- und Hausgemeinschaften im Alter. Für alle, die weder Kinder noch Verwandte haben und auch kein Geld für teure Altenheime, bieten Leerstände die Chance, problemlos Neues zu erproben, vermutet Stadtforscher Göschel. «Unter solchen Bedingungen haben Wohnungen und Häuser Zukunft, die variabel sind, in denen Familien, Einzelpersonen oder Gruppen leben können», ergänzt Häussermann. Große Altbauwohnungen, Lofts und ein neuer Typ des Innenstadt-Reihenhauses - das sind favorisierte Wohnformen vieler Experten. quelle: generalanzeiger-bonn
Wohnraum wächst
zurück Altimmobilie und Eigentumswohnungen nächste
Bausparvertrag und Eigentumswohnung finanzieren"
|
|
|
|
| |
| Verwandte Links |  |
| Artikel Bewertung |  |
durchschnittliche Punktzahl: 5 Stimmen: 1

| |
|